Unterwegs mit dem Quatsch Comedy Club in Hamburg.

Ich bin gerade aus Hamburg zurückgekommen wo ich 2 Mal im Stage Club aufgetreten bin. (eine Super-location) Alles lief super. Das Publikum war super. Es wurde viel gelacht. Ich verkaufte viele Bücher. Und die jungen Damen, die für die Jacken zuständig waren, zeigten mir ihre Piercings. Was will man mehr?
Vor den Shows habe ich in meinem Hotelzimmer gechillt. Früher hieß es Nickerchen oder Schläfchen oder Pennen. Oder im schlimmsten Fall ornanieren. Aber jetzt Chillen. Ich dachte, ich wäre zu alt zum Chillen. Aber das stimmt nicht. Man ist nie zu alt! Während ich gechillt habe, habe ich Room Service bestellt, einmal Freitag, einmal Samstag. Aber ich glaube, ich war echt zu höflich als ich Freitag angerufen habe.
„Kann ich bitte ein Club Sandwich und ein Bier haben?“…sagte ich. Und dann hörte ich am anderen Ende der Leitung, „wenn Sie zahlen können schon.“
Das passiert mir so oft…Einmal fragte mich einen Rentner, nachdem ich irgendwas Blödes tat, was mir im dem Moment nicht bewusst war…was mir oft passiert…
“Sind Sie bescheuert!“
Und statt zurück zu schreien mit…
„Nein ich bin nicht bescheuert!!!
„Sie sind bescheuert!!!!“
…sagte ich leise…
„ich glaube schon.“
(du würdest denken dass ich nach 20 Jahren in Deutschland so was drauf hätte. Ich kenne Türken und Polen, die seit 10 Minuten in Deutschland leben und haben es schon drauf.)
Mein Sohn, der im Moment pubertätsgeschädigt ist, und deswegen die Berechtigung dazu hat, mit mir hart umzugehen, nennt mich in solchen Situationen eine…
MIIIIIIIISSSSSSSSSI….
Er sagt oft…. „Alter…bist du eine Missi!“ (was in seiner Sprache bedeutet: „du bist so was von eierlos!“)
Ein Tag später versuchte ich weniger missi-mässig zu agieren. Ich rief wieder Room Service an (Samstag) aber habe die falsche Taste gedruckt und als ich sagte, „ich bekomme einen Burger mit Pommes auf Zimmer 617“ kam nur als Antwort zurück in einem starken ostblock Akzent…was ich irgendwie sexy fand,
„Das ist nicht die Küche. Das ist Housekeeping.“ Und dann nach einer kurzen Pause…
„Und wir haben keine Burger!“
Prompt wollte ich sagen….
„I don’t care if you’re from housekeeping. I want my fucking Burger!“
oder mindestens…
„Was? Bei House Keeping gibt es jetzt keine Burgers?“
Aber so was habe ich nicht gesagt…
Ich entschied mich viel eher für die Variante…
„Entschuldigung, ich habe mich verwählt.“
Ich weiß was Ihr alle denkt…..Missi!
Was mir auch aufgefallen ist, als ich heute Morgen auscheckte, war, dass ich keinen einzigen Porno auf meinem Zimmer guckte. Keinen einzigen! Und was mich erschreckte, war dass ich überhaupt keine Lust dazu hatte. Früher schaute ich immer rein, immer auf der Suche nach neuen Positionen und Anregungen. Aber diesmal hatte ich keine Lust dazu. Ich guckte stattdessen den neuen Robin Hood Film mit Russel Crowe, und danach den Soloist mit Jamie Fox. Aber trotzdem beim auschecken guckte mich die Frau an der Rezeption an als wenn ich ein entflohener Porno-Sträfling wäre. Als wenn ich aus einem Pornogefängnis ausgebrochen wären. Sie sagte: „Sie hatten 2 Filme Herr Doyle. 2 In-House Movies Herr Doyle.“ Und dabei guckte sie mich an als wenn sie implizieren wollte, „Was sind Sie für ein Schwein Herr Doyle?“ Ich hatte echt das Gefühl, vor Gericht zu stehen. Vor einem Anti-Porno Gericht. Vor einem total unfairen Anti-Porno Gericht. Aber das stimmte überhaupt nicht. Denn meine Richterin war sehr gnädig. Sie sagte nur: „2 Mal Room Service, 2 Movies, das macht 44 Euro.“
Und als ich bezahlte sagte sie,
„ich wünsche Ihnen einen schönen Tag Herr Doyle.“
Und dann stieg ich ins Taxi und war weg…wieder auf der Flucht so zu sagen.
Die Strassen waren voller Schnee. Der Taxifahrer kam aus Polen, das sagte er mir wirklich, dass er seit 30 Jahren in Deutschland lebt. Er sagte auch dass er am Rande der Stadt in einem Hochhaus in der 12 Etage wohnt und dass er beim Sonnenuntergang gerne Gedichte schreibt. Und als er das sagte, dachte ich, „Mensch können wir nicht einfach fahren?“
Nein quatsch. Das war ein tolles Gespräch. Er redete, ich nickte, als er merkte dass ich nicht aus Hamburg komme sind wir 17 Mal um den Block gefahren bis wir am Bahnhof waren und während er über Sonnenuntergänge redete, dachte ich, „Mensch, habe ich einen tollen Job!
Innerhalb von 2 Tagen erlebe einen Taxifahrer, der Dichter ist, eine mega gepiercte junge Frau, die Biologie studiert…eine andere mit einer gepiercten Zunge, die mir coole Sprüche beibringt, eine Frau an der Rezeption, die überhaupt nicht vom Anti-Porno Gericht war sondern sehr nett ist….ein tolles Publikum…tolle Kollegen….
Was will man mehr? Außer vielleicht weniger Misssiiiiiiiiiii sein!
take care,
John Boy Doyle